Die grössten Probleme im Land sind nach wie vor die enorme Arbeitslosigkeit und die Teuerung.
Für viele sind Ausbildungen unerschwinglich – für die meisten sieht die Zukunft düster und trostlos aus. Verzweiflung und Resignation und die Schuld gegenüber Familienangehörigen, die dringend
unterstützt werden müssen, treibt viele Menschen zur illegalen, gefährlichen Flucht in ein westliches Land.
Unser Bemühen in diesem gebeutelten Land geht eigentlich nur noch in Richtung jener Menschen, deren Leben aus einem schutzlosen Dahinvegetieren besteht, weil sie zu hundert Prozent auf Hilfe
angewiesen sind: Blinde, Leprakranke.
Krankenversicherungen gibt es nur für solche, die vom Staat fest angestellt sind. Das Sozialamt der Stadt hat keine Resourcen für Notleidende. Die sind gänzlich sich selbst überlassen und
hoffen auf Hilfe ihres Nachwuchses, der meist auch nicht helfen kann. Da und dort hat einer vielleicht Arbeit, ersteht einen 50 kg Sack Reis und die Grossfamilie kann sich davon für einige Zeit
ernähren. Ein kleiner Lichtblick. Und dann wieder die grosse Hoffnungslosigkeit – denn für mehr reicht es nicht.
Hier helfen wir, im kleinen Rahmen, der uns gesteckt ist. Aber das, was wir zur Verfügung haben, loten wir voll aus. Bei einer lokalen Apotheke haben wir eine laufende Rechnung zur Begleichung
der Rezepturen, aus unserem Warenlager schenken wir gezielt, was gebraucht wird: Rollstühle, Prothesen, Matratzen, Leintücher, Decken, Wäsche, Kleider. Wir
bezahlen auch Spital, Arztbesuche, Behandlungen – je nach erforderlicher Situation und vorhandenen Gütern.
Im Blindenzentrum sind wir jeweils stationiert und besuchen von dort aus vier Lepradörfer, die alle in relativ kurzer Entfernung liegen: Mballing, Sowane, Koutal und Peycouck. In jedem Dorf
gibt es eine kleine Notfallstation (Poliklinik), eine Maternité (Geburtshaus), einen Kindergarten sowie ein kleines Nähatelier, in dem Frauen nähen lernen können.
Mit Fadiga, dem fünften Lepradorf, haben wir durch unseren Vertrauensmann Keita Verbindung. Das Dorf liegt in der südöstlichsten Ecke des Landes und ein Hinkommen ist für uns fast nicht
möglich. Die letzte Reise dorthin nahm 12 Stunden in Anspruch, zusätzlich fünf Stunden Garage. Lilly Vogel lernte Keita vor 26 Jahren als Schüler kennen. Seit wir nicht mehr hinreisen, kommt er
regelmässig zu uns ins Blindenzentrum, wenn wir da sind, und begibt sich, nachdem wir ihn mit Hilfsgütern beliefert haben, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und bis zu sechs (!) grossen Koffern
zurück nach Fadiga. Sein Einsatz für seine Schützlinge ist bewundernswert.
Für die Sanitätsposten in unseren Lepradörfern bringen wir folgende Güter mit: Verbandsmaterial, Salben, Handschoner, Prothesenstulpen für Amputierten. Letztere werden von fleissigen
Strickerinnen hier in der Schweiz mit viel Liebe und Ausdauer gestrickt, teils arbeiten sie in Gruppen, teils alleine. Diesen fleissigen Frauen wiedermal auf diesem Wege ein herzliches, grosses
Dankeschön.
Es macht uns schon froh zu sehen, mit wieviel Hingabe, Sorgfalt und Begeisterung da gearbeitet wird ! Man bedenke, dass sich die Kranken früher Lumpen um die Beine gewickelt haben. Die zum Teil
in fröhlichen Farben gestrickten Schoner bereiten den Kranken kindliche Freude !
Windels, Bébékleidchen, Wäsche und Leintücher geben wir meist an die Maternités ab. Stoffe und Mercerie in die Nähateliers, und –falls vorhanden– Spielsachen an die Kindergärten.
Die Kranken aller fünf Dörfer dürfen von unsere 'Notfallkasse' Gebrauch machen, das ist die vorerwähnte laufende Rechnung bei der Apotheke, aus der nebst Medikamente auch Arztbesuche und
Röntgenbehandlungen beglichen werden. Damit wir über die laufenden Ausgaben eine Kontrolle haben, muss jede Buchung mit einer Quittung oder einem von uns oder unserer Vertrauensleuten visierten
Arztrezept belegt sein.
Die Lepra ist eine Seuche, an der man nicht stirbt. Sie tritt auch meist nur in bitterer Armut auf: durch einen Bazillus wird sie –mit einer Inkubationszeit von bis zu zwanzig (!) Jahren
vermutlich durch Tröpfcheninfektion übertragen. Dies bedingt eigentlich Isolation, was aber bei solchen Bedingungen kaum möglich ist: die Menschen leben nahe zusammen in ihren fensterlosen,
stickigen Hütten und essen alle aus der gleichen Schüssel. Oft ist das Essen einseitig und wird unter mangelnder Hygiene zubereitet.
Vor hundert Jahren grassierte in der Schweiz aus ähnlichen Gründen die Tuberkulose, die in den Sanatorien von Davos, Leysin, Montana, etc. durch gutes Essen, reine Luft, Licht, Sonne, Hygiene
geheilt wurde.
Die Lepra kann dank Medikamenten seit etwa 20 Jahren mit Erfolg bekämpft werden. Die Einnahme derselben bannt die Ansteckungsgefahr. Es sind drei Medikamente, die in der richtigen Dosierung die
Krankheit im Anfangsstadium heilen können. Im Senegal werden diese Mittel, welche die Novartis-Stiftung gratis liefert, an die Kranken abgegeben. Dadurch entfällt die Zwangsisolation und
auch die Verstümmelungen werden seltener. Das Stigma aber, mit dem die jetzige Generation mit den verstümmelten älteren Familienmitgliedern behaftet ist, wird nicht so schnell verschwinden und
junge Menschen, die in Lepradörfern wohnen, haben 'draussen' sozusagen keine Chance, einen Erwerb zu finden.
Natürlich bricht die Krankheit auch dort aus, wo Ärzte und Medikamente Hunderte von Kilometern weit entfernt sind: in den abgelegenen Buschdörfern. Da Lepra keine Schmerzen verursacht, leben die
betroffenen Menschen einfach mit ihr, bis ihr Zustand so fatal ist, dass sie aus Eigeninitiative ärztliche Hilfe suchen und dafür lange, beschwerliche Reisen auf sich nehmen. Dann ist es zu spät,
um mit den erwähnten Medikamenten Hilfe leisten zu können und so breitet sich die Lepra auch in der heutigen Zeit munter weiter aus: weltweit jährlich ungefähr 200.000 neue, registrierte Fälle
von Erkrankten und kein Ende in Sicht...
Der erfreuliche Bereich unserer Besuche ist dagegen unser Blindenzentrum. Sei es im Operationssaal, in der Poliklinik der im Optikatelier – überall wird gewissenhaft und mit grosser Sorgfalt
gearbeitet. Unser Dr Babacar Cissé und seine Mitarbeitenden setzen sich alle mit Herzblut für ihre Sache ein und identifizieren sich mit ihrem Arbeitsbereich. So viele Menschen konnte dadurch
schon das Augenlicht bewahrt oder wiedergegeben werden!
2008 wurden 10.500 Konsultationen vorgenommen, 192 Staroperationen und andere chirurgische Eingriffe ausgeführt und im Optikatelier 477 Korrektur- und Sonnenbrillen angepasst. Für Lepröse, Blinde
und deren Familien, Behinderte und Kinder sind die erbrachten Leisten sowie die Medikamente gratis.
Alle anderen Patienten bezahlen für Dienstleistungen und Medikamente:
- Die erste Konsultation kostet 2500 CFA (= 6,50 CHF)
- Jede weitere 1000 CFA (= 2.60 CHF)
- Eine Staroperation beläuft sich auf CFA 20.000 (= 26 CHF)
Dies sind unsere Selbstkosten ohne Arzthonorar, Miete, etc.
Die meisten Blinden sind in Mbour und Umgebung in zwei Organisationen erfasst. Jene der UNAS (
Union
Nationale des jeunes
Aveugles du
Sénégal), die bei uns im Blindenzentrum ihren Sitz hat, treffen sich jeweils im Saal des Zentrums, wenn eine Gruppe aus dem Freundeskreis anwesend ist. Dies ist inzwischen
Tradition geworden: man trifft sich, Lilly und seine Begleitenden nehmen ihre Plätze am langen Tisch gegenüber dem Präsidenten der UNAS ein, ferner ist Sadikh Mbengue, unser Fürsorger und
Übersetzer, anwesend. Die Blinden, begleitet von Frauen und teils Kindern, sammeln sich auf den Stuhlreihen dahinter. Jeder erhält ein Fläschli Cola oder Fanta und Bisquits (von Paul
gestiftet).
Mbengue informiert, der Präsident der Blinden dankt für unsere Unterstützung, erhofft sich weitere Hilfe und bringt Anliegen vor. Lilly übermittelt Grüsse, geht dann auf Hilfsgesuche ein und
stellt in Aussicht, was bereits vorher durch sie und den Fürsorger gutgeheissen worden ist. Meist wird zudem von Lilly ein Thema angesprochen, das in alen Gemütern brennt, sei es eine Warnung
bezüglich Landflucht, sei es über Missstände im Land und wie man ihnen begegnen kann, etc.
Das Betteln ist immer ein Thema. Es ist hier sozusagen ein Beruf für Benachteiligte, für solche, die mit Blindheit geschlagen sind zum Beispiel. Im Senegal ist das Betteln keine Schande wie bei
uns. Da der Islam dort die vorherrschende Religion ist und es für einen glaubigen Muslim Pflicht ist, täglich Almosen zu geben, braucht es die Bettler, die Blinden, die Leprösen. Würden sie alle
plötzlich aus der Stadt verschwinden, sähen sich die Muslime in einer Notlage (Thema des Buches 'Der Streik der Bettler' der senegalesischen Schriftstellerin Aminata Sow-Fall).
Wir helfen den Blinden im Rahmen unserer finanziellen Mittel mit Medikamenten, Spitalkosten, Operationen, Hausreparaturen, WCs, Matratzen, Gaskochern, etc. Dank einem grosszügigen Spender aus der
Schweiz, der unser Blindenzentrum besuchte, war es uns im Berichtsjahr möglich, vermehrt auf Gesuche einzugehen. Wir haben in ihm einen neuen Senegalfreund mit viel Afrikaerfahrung gewonnen. Er
beabsichtigt, uns auch in Zukunft mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Mit dem 'Mouvement', der kleineren der beiden Organisationen, treffen wir uns jeweils im Blindenzentrum, beim Präsidenten zu Hause und bei Familien, die ein Gesuch gestellt oder Hilfe erhalten
haben.
Die Jahresabrechnung muss neu (ab 2008) gemäss Art. 83b ZGB von einem eidg. dipl. Revisionsexperten geprüft werden. Kosten: 800 CHF. Zudem muss dieser im Handelsregister eingetragen werden –
kostenpflichtig natürlich. Also ganz ohne Spesen geht es auch bei uns nicht ab.
Aber wir versichern: wir, die Freunde, fliegen, wohnen, essen auf eigene Kosten. Kein Franken der Spendengelder wird für Besucher abgezweigt. Wir arbeiten ehrenamtlich und aus innerer Freude.
Schliesslich ein grosses DANKE ! aus tiefem Herzen Euch allen. Ihr ermöglicht es uns, dass wir im Senegal helfen dürfen !
Bern, im Mai 2009
Die Präsidentin,
Lilly Vogel
Stiftung
Freundeskreis für den Senegal
p. Adr. Lilly Vogel
Neubrückstr. 127
3012 Bern
Tel./Fax +41 31 302 1973
Spendenkonto:
Credit Suisse 80-500-4
IBAN-Nr. CH14 0483 5083 8031 3000 0
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