Rückblickend auf das vergangene Jahr haben wir wiederum gesehen, dass ein humanitärer Einsatz im Senegal sich mit beschränkten Mitteln nur dann lohnt, wenn man mit den Geldresources und Gütern,
die man erhält, ganz gezielt Schwerkranken und ausgegrenzten Menschen hilft, die unter normalen Umständen gar keine Möglichkeit haben, ein menschenwürdiges Dasein zu leben.
Oft ist es gar nicht einfach, mit dem Wenigen, das man hat, der grossen und nie endenden Not in den Elendsvierteln und Lepradörfern zu begegnen. Deshalb beschränkt sich unsere Hilfe auch nur
für wenige Lepradörfer, die wir schon seit Jahren besuchen und in denen unzählige bedauernswerte Menschen leben.
Zudem gilt unser Augenmerk ganz speziell dem Blindenzentrum mit Polyklinik in Mbour, welches für das Land ein Segen ist und bereits seit 18 Jahren von einem guten Team betrieben wird. Seit
seiner Erbauung konnte unzähligen Menschen, die vorher ohne Hoffnung auf Besserung waren, das Augenlicht gerettet oder zurückgegeben werden.
Zwei Reisen wurden vom Freundeskreis im Berichtsjahr unternommen. Die erste erfolgte im Februar. Lilly Vogel wurde begleitet von Edith Lutz, seit 1992 dabei, die beiden weiteren Teilnehmerinnen
Regula Roth und Helene Rieger reisten erstmals mit zum Dienst im westafrikanischen Küstenland. Der Auftakt zu dieser Reise bescherte und viel Ärger und Probleme, denn als wir abfliegen wollten,
erschienen wir nirgends auf der Passagierliste.
Jemand vom Bodenpersonal der TAP (portugiesische Fluggesellschaft) hatte von uns das Geld für die Tickets entgegengenommen, uns aber nicht als Fluggäste eingetragen. So wurden wir samt all
unserem Gepäck im Flughafen stehen gelassen. Nach zwei Stunden Wartezeit erhielten wir dann endlich grünes Licht, um alles Mitgebrachte für den nächstmöglichen Flug einzuchecken. Danach kehrten
wir alle per Bahn an unsere Wohnorte zurück und versammelten uns am Folgetag erneut zum gemeinsamen Abflug.
Weitere Schwierigkeiten erwarteten uns in Kloten und dieser Odyssee erfolgte lange nach der Reise, weil Lilly Vogel sich konsequent und eisern für unsere Rechte bei der Fluggesellschaft
einsetzte und erreichen konnte, dass uns die Flugkosten fast vollumfänglich rückerstattet wurden. Chapeau, liebe Lilly!
Unser Aufenthalt im Senegal gestaltete sich sehr harmonisch, da wir uns alle gut ergänzten: Lilly Vogel hatte wie eh und je alles Organisatorische und Persönliche bestens im Griff, koordinierte
unsere diversen Besuche und besprach sich mit den Chefs de Village, Sozialarbeitern und Ärzten der betreffenden Dörfer. Regula Roth nahm sich mit ihrem guten Französisch und ihrem ruhigen
Zuhören und Beraten der individuellen Bittsteller an und Helene Rieger war bestens zu gebrauchen zum Verhandeln von Wunden und Anbringen von Verbänden, denn sie ist diplomierte
Krankenschwester. Edith Lutz fand ihr Wirkungsfeld eher im Inventarisieren des Warenlagers und Aussortieren der zu vergebenden Güter.
Während der zwei Wochen Aufenthalt wurden die üblichen Lepradörfer und Projekte besucht und wir erlebten manche Freude, wenn wir mit mitgebrachten Matratzen, Kleidern, Geräten, Verbandmaterial
und andere Gebrauchsutensilien Notlagen lindern und Erleichterung schaffen konnten. Unglaublich, mit wie wenig man oft sehr viel ausrichten kann und wie zufrieden viele Menschen trotz ihrer
bedauernswerten Lebenslage sind.
Die zweite Reise wurde im November unternommen, ebenfalls von einer Vierergruppe: Lilly Vogel wurde begleitet von Paula von Dach, Marco Gassmann und Anneliese Gasser. Zum Leidwesen aller wurde
Lilly Vogel aus einem Stück Handgepäck, das von den Flugbegleitern behändigt wurde, ihr anvertrautes Geld gestohlen. Solche Vorkommnisse drücken auf die Stimmung. Beatrix Binschedler war
bereits vor Ort, als die Gruppe ankam, sie absolvierte dort ein Praktikum. Zwei Tage später folgte Mayon Feusi, wie gewohnt mit der Fluggesellschaft TAP.
Die Projekte, die wir zusätzlich zur Augenklinik unterstützen, werden alle von Menschen initiiert, die aus Lepradörfern stammen und ohne fremde Hilfe chancenlos sind. Ihr persönliches
Engagement und ihr Wille, selber etwas zur Verbesserung der Lebenslage von Schicksalsgefährten tun zu wollen und auch zu können, gewinnt immer wieder unsere Zustimmung und unser Vertrauen.
Einer unserer Schützlinge, Henry Diouf, kümmert sich seit Jahren um psychisch kranke Menschen. Mit ihnen betreibt er Gartenbau, ein Metier, das er selber bei Paters im Senegal erlernen konnte.
Nun hatte er die Möglichkeit, 30 Baobabs, eine spezielle Sorte aus dem Süden, nach Saly zu holen und dort am Meer einzupflanzen.
Saly ist ein von Europäern besiedeltes Wohnquartier. Der Aufwand zum Transport der Bäume war CHF 2000, was unser Spendenbudget bei weitem gesprengt hätte. Eine uns unbekannte Frau übergab uns
diesen Betrag just zu diesem Zeitpunkt, als wir über Annahme oder Absage eintscheiden mussten.
Mit dem Erlös aus der Bepflanzung erwirtschaftete sich Henry ausserhalb Mbour ein Stück Land von 15.000 m2. Darauf betreibt er nun mit seinen Patienten Gemüsebau. Natürlich brauchte er auf dem
Grundstück zwei Brunnen zum Bewässern. Wir liehen ihm die dafür benötigten CHF 2638,60, rückzahlbar in Raten von FCFA 100.000, jeweils nach der Erntezeit, erstmals Mitte 2010. Mikrokredite an
vertrauenstwrete Menschen, die aus hoffnungslosen Situationen kommen und gewillt sind, sich zur Verbesserung ihres Umfeldes einzusetzen und anderen in hoffnungsloser Lage wiederum zu helfen,
verdienen solche Unterstützung.
Ein solcher Mann ist auch Masse Mbaye aus dem Lepradorf Koutal. Über sein Backsteinprojekt, das im Jahr 2007 begonnen wurde, haben wir letztes Jahr berichtet. Anlässlich der diesjährigen
Februarreise haben wir einen Teil dieses Projektes besucht und waren von seinem Nutzen überzeugt. Die rege Bautätigkeit zwischen Mbour und Dakar veranlasste Masse, auch hier eine Equipe
einzusetzen. Wir trafen etwas 12 Bauarbeiter auf dem Gelände und sahen eine Backsteinpresse in Aktion, die durch unseren Freundeskreis finanziert worden ist. Das Gelände, worauf gearbeitet
wird, hat Masse von einer katholischen Organisation gratis für diesen Zweck erhalten und im Grundbuch eintragen lassen.
An einem weiteren Anliegen, das uns letztes Jahr vom Lepradorf Koutal durch Masse Mbaye vorgebracht worden ist, beteiligen wir uns finanziell: im Centre d'Hébergement (Unterkunftszentrum) waren
diverse Reparaturen ausgeführt worden. Das Strohdach des Versammlungsraumes wurde teils erneuert, zudem waren Tür- und Fensterrahmen, die wegen Termitenbefall in sich zusammengesunken und
zerbröselt waren, durch Metallrahmen ersetzt worden.
Sehr wichtig ist uns natürlich auch die wundervolle Hilfe, die wir mit Matratzen leisten können. Dank einem grosszügigen Schweizer Spender, der uns im vergangenen Jahr mit insgesamt 54 total
neuen Matratzen aus eigener Firma beliefert hat (18 im Frühjahr, 36 im Herbst), durften wir Leprösen und Blinden helfen. Etliche Matratzen gaben wir auch im Schulheim in Fatick ab für Schüler
vom Lande, die in der nächstgelegenen Stadt eine Schule besuchen und nicht täglich in ihre abgelegenen Dörfer zurückkehren können. Dem Spender sprechen wir hier von ganzem Herzen unseren Dank
aus.
Im Lepradorf Mballing konnten wir elf Zweiradwagen samt Eseln helfen, die für alle möglichen Arbeiten verwendet werden können. Zudem schafften wir für jemanden einen Esel an, der ihn für
Transporte und Pflanzungen braucht.
Unsere Augenklinik wird nach wie vor ausgezeichnet geführt durch unseren langjährigen Augenarzt und Chirurg Babacar Cissé und sein Team. In der Poliklinik wurden 11.770 Personen behandelt, Dr
Cissé führte 138 Staroperationen und diverse andere chirurgische Eingriffe durch und im Optikatelier wurden insgesamt 239 Korrekturbrillen und Sonnenbrillen abgegeben. Wer einen Einblick in die
Jahresrechnung tun möchte, kann sich diese bei Lilly Vogel beschaffen.
Nebst den Lepradörfern Mballing, Koutal, Sowane und Peycouck statten wir auch jedesmal den Schwestern der Missionsstation Babak in der Nähe von Thiès einen Besuch ab. Soeur Bernadette aus dem
Schweizer Jura gründete die Station. Sie spürte schon vor Jahren Leprakranke in der Umgebung auf und betreute sie dort. In Babak befindet sich eine gut geführte Poliklinik mit zwei
Aussenstationen, wo die Leprakranken ihre regelmässig benötigten Medikamente gratis beziehen können.
Ferner gibt es Mütterberatung und nötigenfalls medizinische Versorgung bei Problemen. Die Mütter lernen, wie sie ihre Kinder nach dem Abstillen mit den in der Gegend erhältlichen
Nahrungsmitteln sicher über die Krisenzeit dieses Wechsels bringen können. Dadurch ist die hohe Kindersterblichkeit rapide zurückgegangen. Zur Zeit wird die Station von einer senegalesischen
Nonnen, Soeur Elisabeth (aus dem Orden St Josef de Cluny, Frankreich) geführt.
So ist ein wundervolles Geben und Entgegennehmen zwischen Spendern und Notleidenden und dies gibt uns grossen Anlass zum Danken: all jenen fleissigen Strickerinnen, die uns Handschoner und
Beinstulpen stricken, Verbände, Mützen und Kindersachen, wunderschöne Wolldecken und Kinderdecken. Danke für alle Gaben, danke für alle so dringend benötigten Geldspenden. Wie wir immer und
immer wieder erwähnen, hängt die Hilfe, die wir leisten können, allein von dem ab, was wir erhalten.
Gewiss sind Gebrauchtgüter im Bereich Krankenpflege sehr nützlich, aber was wir am dringendsten brauchen ist einfach Geld, das uns bis anhin diese dringend gebrauchten Direkthilfen ermöglicht
hat. Leider waren die finanziellen Zuflüsse auch im Berichstjahr rückläufig, was uns auf jeder Reise mehr und mehr in die Lage zwingt, Hilfsgesuche ablehnen zu müssen.
An Menschen, die mit uns den Senegal bereisen wollen, fehlt es uns eigentlich nicht, obschon sie wissen, dass sie zu 100% für Flug und Aufenthaltskosten aufkommen müssen. Dafür werden keine
Spendengelder abgezweigt. Sicher ist ein Besuch des Senegal für jeden Reiseteilnehmer eine schöne Erfahrung, aber auch hier müssen wir jeweils auf ein paar Regeln verweisen, die in unserem
Freundeskreis Usus sind: am besten reist man in Gruppen von 4-6 Teilnehmern. Für so viele ist Platz vorhanden im Gästehaus. Zudem ist es von Vorteil, wenn man der französischen Sprache mächtig
ist. Da nicht jeder, der in den Senegal fliegt, Erfahrung mit unserer Art Aufenthalt und Tätigkeit hat, ist es erwünscht, dass pro Reisegruppe höchstens zwei Teilnehmer dabei sind, die erstmals
mitreisen.
Unsere lieben Senegalfreunde - durch Euch und Euren Goodwill lebt unser Hilfswerk. Wir danken Euch für Euer Mittragen vom ganzen Herzen.
Bern, im Juni 2010.
Lilly Vogel
Präsidentin der Stiftung Freundeskreis für den Senegal
Neubrückstr. 127
3012 Bern
Tel./Fax +41-31 302 1973
Spendenkonto: Credit Suisse 80-500-4
IBAN-Nr. CH14 0483 5083 8031 3000 0
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